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Informationen zur Sperrung der Lesumbrücke im Zuge der A 27 in Bremen

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Der schlechte Zustand vieler Brücken in Deutschland ist seit Jahren ein vieldiskutiertes Thema in Politik, Medien und Fachwelt. Auch Bremen ist davon betroffen. Schon existierende oder drohende Einschränkungen bei der Nutzung von Brücken können weitreichende Auswirkungen haben. Um die Dauerhaftigkeit und die Sicherheit von Brückenbauwerken zu gewährleisten, werden Brücken in Deutschland seit einigen Jahren systematisch statisch nachgerechnet. Aufgrund der Vielzahl der nachzurechnenden Brücken stehen dabei zunächst die Hauptverkehrsstrecken im Fokus. Nicht selten erfordern die Ergebnisse Einschränkungen für die Nutzbarkeit der Brücken oder bauliche Maßnahmen bis hin zum Neubau. Im Dezember 2018 hatten erste Erkenntnisse im Zuge der Nachrechnung für die Lesumbrücke erhebliche Defizite bei der Tragfähigkeit der Brücke ergeben. Infolge dessen musste ein Teil der Brücke für den Verkehr gesperrt werden. Ursächlich ist eine altersbedingte Materialschädigung der tragenden Stahlbauteile der Brücke, die von außen nicht sichtbar ist.
Die aktuellen Einschränkungen umfassen die Sperrung der Brücke in Fahrtrichtung Verden/Hannover Der Verkehr musste auf die Fahrbahn in Fahrtrichtung Bremerhaven/Cuxhaven umgelegt und geschwindigkeitsreduziert werden. Dort stehen jetzt jeweils zwei Fahrspuren je Richtung zur Verfügung.
Eigentümer der Brücke ist die Bundesrepublik Deutschland. Im Rahmen der im Grundgesetz geregelten Zuständigkeiten betreut das Amt für Straßen und Verkehr in Bremen im Rahmen der Auftragsverwaltung die Brücke für den Bund und ist in dieser Funktion zuständig für Planung, Bau, Erhaltung und Betrieb. Diese Zuständigkeiten umfassen auch die derzeit notwendigen Untersuchungen an dem Bauwerk sowie die weiteren notwendigen Maßnahmen auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse.

Auf Grundlage der ersten Einschätzungen der noch vorhandenen Tragfähigkeit der tragenden Stahlbauteile wurde die Brücke aus Sicherheitsgründen für den Verkehr gesperrt. Direkt im Anschluss wurde ein umfangreicher Auftrag für eine vertiefende Untersuchung und Auswertung der tragenden Stahlbauteile der Brücke vergeben (Objektbezogene Schadensanalyse (OSA). Diese Ergebnisse und deren Auswertung bilden die elementare Grundlage für die notwendigen Entscheidungen zum weiteren Vorgehen. Prioritäres Ziel ist es, in kürzester Zeit wieder Fahrspuren auf der gesperrten Brücke für den Verkehr zur Verfügung stellen zu können. Mit dem Ergebnis wird in der ersten Jahreshälfte 2019 gerechnet.
Unabhängig davon wurde angenommen, dass die Tragfähigkeit der Brücke aufgrund des Alters und den damit bauart- und bauzeitbedingten Defiziten nicht mehr den Anforderungen an eine zukunftsfähige Autobahnbrücke des Bundes entsprechen wird. Aus diesem Grund wurde bereits mit der Planung eines Brückenneubaus begonnen. Da die Planung und der Bau einer neuen Brücke auch aufgrund naturschutz- und wasserrechtlicher Belange sehr zeitintensiv sind, wurde bereits mit der Bearbeitung schneller umsetzbarer Optionen begonnen (siehe nachfolgend “Die Optionen im Einzelnen).

Die Ergebnisse der objektbezogenen Schadensanalyse werden die entscheidende Grundlage für das weitere Vorgehen sein. Die grundsätzlich in Betracht kommenden Optionen bestehen z.B. darin, die vorhandene Brücke für eine weitere Nutzung bis zum Neubau statisch zu ertüchtigen (bauliche Verstärkung der tragenden Konstruktion) oder bei einem günstigen Prüfergebnis für die tragenden Stahlbauteile die Brücke, zumindest in Teilen, für den Verkehr wieder freigeben zu können. Diese Vor-Ort-Materialuntersuchungen wurden Ende Januar 2019 abgeschlossen. Zurzeit und bis auf weiteres finden keine Arbeiten auf der gesperrten Brücke statt. Die notwendig werdenden Arbeiten können erst nach Auswertung der Untersuchungsergebnisse festgelegt werden. Weitere Untersuchungen werden zurzeit im Labor durchgeführt. Erst mit Vorliegen der Ergebnisse der weiteren Laboruntersuchungen des am Bauwerk entnommenen Materials und einer ingenieurmäßigen Bewertung können Rückschlüsse zur weiteren verkehrlichen Nutzung der Brückenhälfte getroffen werden. Abschließende Ergebnisse hierzu werden für den Sommer 2019 erwartet.
Eine weitere Option besteht darin, eine Behelfsbrücke zu installieren, bis ein Neubau der Brücke erfolgt ist. Auch an dieser Option arbeiten die Fachleute aktuell parallel.

Wieder Inbetriebnahme der vorhandenen Brücke (gesperrte Brücke)

Im Vordergrund steht aktuell die Erhaltung und weitere Nutzung der vorhandenen Brücke, bis ein Neubau an gleicher Stelle beginnen kann. Im günstigsten Fall kann die vorhandene Brücke nach Untersuchung und Auswertung der tragenden Stahlbauteile weiter genutzt werden oder mit überschaubarem Aufwand baulich so verstärkt werden, dass sie für den Verkehr, zumindest teilweise, wieder zur Verfügung gestellt werden kann. Nach aktueller Einschätzung bietet sich mit dieser Option die am schnellsten umsetzbare Möglichkeit an. Allerdings kann an dieser Lösung erst vertieft gearbeitet werden, wenn die Ergebnisse der objektbezogenen Schadensanalyse vorliegen.

Bau einer Behelfsbrücke

Sollten die Ergebnisse der objektbezogenen Schadensanalyse eine bauliche Verstärkung der vorhandenen Brücke nicht zulassen, könnte sich mit dem Bau einer Behelfsbrücke eine zeitnah zu realisierende Option anbieten. Die Möglichkeiten anhand unterschiedlicher Varianten, sowie die Verfügbarkeit der dafür notwendigen Brückenbauteile, werden zurzeit untersucht und geprüft. Dafür wurde unter anderem bereits eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Ziel dieser Vorgehensweise ist es, schnell handlungsfähig zu sein, falls die Möglichkeit der wieder Inbetriebnahme der vorhandenen Brücke nach Auswertung der Untersuchungsergebnisse nicht gegeben sein sollte.

Allgemeines zum Thema „Behelfsbrücken“:
Im Zuge der Erneuerung von Brücken kommt immer wieder das Thema der Verkehrsstrom-Aufrechterhaltung während Baumaßnahmen zum Tragen. So werden oft in der Bauzeit Systembrücken (auch Hilfsbrücke oder Behelfsbrücke genannt) eingesetzt, die das Weiterfließen des Verkehrs ermöglichen. Systembrücken sind universell einsetzbare Stahlbrücken nach dem Baukastenprinzip. Sie sind mehrfach wieder einsetzbare, robuste Konstruktionen und können im Gegensatz zu „festen Bauwerken“ schnell und einfach montiert und wieder abgebaut werden. Sie können für Baumaßnahmen des Bundes (Autobahn, Bundesstraßen) zur Verfügung gestellt, können aber auch auf dem freien Markt gemietet und bestellt werden. Dank ihrer konstruktiven Flexibilität lassen sich diese Brücken relativ schnell an die jeweiligen Gelände- und Verkehrssituationen anpassen.

Neubau der Lesumbrücke

Aufgrund der ersten Einschätzungen zur Tragfähigkeit der Lesumbrücke im Dezember wird angenommen, dass die Brücke künftig nicht mehr den Anforderungen an eine Autobahnbrücke des Bundes entsprechen wird. Aus diesem Grund wurde bereits mit der Planung eines Brückenneubaus begonnen. Angenommen wird, dass eine Planungs- und Bauzeit von ca. 10 Jahren benötigt wird, bis ein Brückenneubau in Betrieb gehen kann. Als ursächlich dafür zeichnet aufgrund erster Annahmen insbesondere das Umfangreiche Planungs- und Genehmigungsverfahren, in dem insbesondere die naturschutzrechtlichen Belange eine Rolle spielen werden.

Unerlässlich für das weitere Vorgehen sind die Ergebnisse und Untersuchungen aus der objektbezogenen Schadensanalyse, die sich in der Bearbeitung befindet. Mit Ergebnissen wird Sommer 2019 gerechnet. Darauf aufbauend werden die für das weitere Vorgehen wesentlichen Entscheidungen abgestimmt. Die sich daran anschließenden Möglichkeiten bestehen darin, die vorhandene Brücke durch bauliche Maßnahmen so zu ertüchtigen, dass sie bis zum Bau einer neuen Brücke weiter genutzt werden kann. Alternativ bietet sich die Möglichkeit, durch den Bau einer Behelfsbrücke zusätzliche Fahrspuren für den Verkehr zur Verfügung zu stellen.

Ziel: Erkenntnisse über den Materialzustand der der tragenden Bauteile aus Stahl

Zeitplan:

  • Ende 6. KW 2019: Abschluss der Vor-Ort-Arbeiten
  • Frühjahr 2019: Vorliegen der Ergebnisse der Untersuchungen
  • Sommer 2019: Vorliegen der Auswertung und Bewertung der Ergebnisse der Untersuchungen und Festlegung des weiteren Vorgehens

Erläuterung des Verfahrens

Die objektspezifische Schadensanalyse ist ein Verfahren zur Erfassung, Auswertung und Bewertung von Schäden, die zusätzliche Untersuchungen erfordern. Das Verfahren wird angewendet, wenn z.B. bei Schäden deren Ursache oder das Ausmaß nicht bekannt ist und mit den Methoden der regelmäßigen Bauwerksprüfungen nicht ausreichend erfassbar ist. Die Notwendigkeit einer solchen Ursache hat nicht unbedingt etwas mit der Höhe einer Schadensbewertung oder der Zustandsnote zu tun. Das Ergebnis der Untersuchungen ist stets ein Gutachten eines Sachverständigen. Form und Umfang des Gutachtens sind bundesweit einheitlich festgelegt. Folgende Prüfungen werden u.a. an der Lesumbrücke durchgeführt:

  • Chemische Analyse Mit Hilfe von Spektrometern (mobil und stationär) kann die chemische Zusammensetzung des Stahls bestimmt werden.
  • Ultraschallprüfung Die Ultraschallprüfung ist besonders zum Nachweis von flächigen Fehlstellen, z.B. Rissen und Bindefehlern in Schweißverbindungen, geeignet.
  • Sichtprüfung Die Sichtprüfung mit Endoskopen und Videoskopen ist besonders zum Nachweis von Oberflächenfehlern geeignet, die sich an schwer erreichbaren Stellen im Inneren von Bauteilen befinden.
  • Magnetpulverprüfung Die Magnetpulverprüfung ist ein effektives Prüfverfahren zum Nachweis von Rissen in ferromagnetischen Werkstoffen.
  • Materialprobenentnahme Die entnommenen Materialproben werden u.a. für die Härteprüfung und die Bestimmung der Zugfestigkeit verwendet.