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Informationen zur Sperrung der Lesumbrücke im Zuge der A 27 in Bremen - mit Sachstand und Ausblick vom 18. Juli 2019

Der schlechte Zustand vieler Brücken in Deutschland ist seit Jahren ein vieldiskutiertes Thema in Politik, Medien und Fachwelt. Auch Bremen ist davon betroffen. Schon existierende oder drohende Einschränkungen bei der Nutzung von Brücken können weitreichende Auswirkungen haben. Um die Dauerhaftigkeit und die Sicherheit von Brückenbauwerken zu gewährleisten, werden Brücken in Deutschland seit einigen Jahren systematisch statisch nachgerechnet. Aufgrund der Vielzahl der nachzurechnenden Brücken stehen dabei zunächst die Hauptverkehrsstrecken im Fokus. Nicht selten erfordern die Ergebnisse Einschränkungen für die Nutzbarkeit der Brücken oder bauliche Maßnahmen bis hin zum Neubau. Im Dezember 2018 hatten erste Erkenntnisse im Zuge der Nachrechnung für die Lesumbrücke erhebliche Defizite bei der Tragfähigkeit der Brücke ergeben. Infolge dessen musste ein Teil der Brücke für den Verkehr gesperrt werden. Ursächlich ist eine altersbedingte Materialschädigung der tragenden Stahlbauteile der Brücke, die von außen nicht sichtbar ist.
Die aktuellen Einschränkungen umfassen die Sperrung der Brücke in Fahrtrichtung Verden/Hannover. Der Verkehr musste auf die Fahrbahn in Fahrtrichtung Bremerhaven/Cuxhaven umgelegt und geschwindigkeitsreduziert werden. Dort stehen jetzt jeweils zwei Fahrspuren je Richtung zur Verfügung.
Eigentümer der Brücke ist die Bundesrepublik Deutschland. Im Rahmen der im Grundgesetz geregelten Zuständigkeiten betreut das Amt für Straßen und Verkehr in Bremen im Rahmen der Auftragsverwaltung die Brücke für den Bund und ist in dieser Funktion zuständig für Planung, Bau, Erhaltung und Betrieb. Diese Zuständigkeiten umfassen auch die notwendigen Untersuchungen an dem Bauwerk sowie die weiteren notwendigen Maßnahmen auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse.

Auf Grundlage der ersten Einschätzungen der noch vorhandenen Tragfähigkeit der tragenden Stahlbauteile wurde die Brücke aus Sicherheitsgründen für den Verkehr gesperrt. Direkt im Anschluss wurde ein umfangreicher Auftrag für eine vertiefende Untersuchung und Auswertung der tragenden Stahlbauteile der Brücke vergeben (Objektbezogene Schadensanalyse (OSA), siehe nachfolgend „Die Objektspezifische Schadensanalyse (OSA)“). Diese Ergebnisse und deren Auswertung bilden aktuell die elementare Grundlage für die notwendigen Entscheidungen zum weiteren Vorgehen. Prioritäres Ziel ist es, in kürzester Zeit wieder Fahrspuren auf der gesperrten Brücke für den Verkehr zur Verfügung stellen zu können.
Unabhängig davon wurde angenommen, dass die Tragfähigkeit der Brücke aufgrund des Alters und den damit bauart- und bauzeitbedingten Defiziten nicht mehr den Anforderungen an eine zukunftsfähige Autobahnbrücke des Bundes entsprechen wird. Aus diesem Grund wurde bereits mit der Planung eines Brückenneubaus begonnen. Da die Planung und der Bau einer neuen Brücke auch aufgrund naturschutz- und wasserrechtlicher Belange sehr zeitintensiv sind, wurde bereits mit der Bearbeitung schneller umsetzbarer Optionen begonnen (siehe nachfolgend “Die Optionen im Einzelnen“).

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Die im Dezember 2018 in Betracht kommenden Optionen wurden in der Kurzfristigkeit so eingeschätzt, dass die vorhandene Brücke für eine Restnutzungsdauer statisch ertüchtigt oder bei einem günstigen Prüfergebnis die Brücke, zumindest in Teilen, für den Verkehr wieder freigegeben werden kann. Zumindest letzteres muss jetzt leider ausgeschlossen werden. Nach umfangreichen Untersuchungen am Bauwerk und den entnommenen Stahlproben kommen Gutachter zu dem Ergebnis, dass die Brücke nicht mehr unter Verkehr gehen darf. Auch eine statische Ertüchtigung des Bauwerks wird von den Gutachtern nahezu ausgeschlossen. Insbesondere diese Einschätzung aber teilt das Amt für Straßen und Verkehr nicht in Gänze. Da die Ertüchtigung eines Bauwerks in aller Regel die schnellste und wirtschaftlichste Lösung für eine weitere uneingeschränkte Nutzung darstellt, werden wir an dieser Lösung zunächst festhalten (nachfolgend Variante 1). Dies bedingt aber auch, dass zurzeit weitere technische- und materialtechnische Untersuchungen auf Grundlage der vorliegenden Ergebnisse erfolgen. Im Herbst 2019 werden wir dann abschließend die Weichen für die notwendigen baulichen Maßnahmen stellen können.

Zusätzlich wurden in den vergangenen Monaten die weiteren Optionen geprüft und abgewogen.

Variante 2 - Behelfsbrücke: Eine System- Behelfsbrücke kann grundsätzlich zum Einsatz kommen. Allerdings sind die mit diesem Bauwerk verbundenen Nachteile auf lange Sicht so gravierend, dass diese Lösung zunächst zurückgestellt wird. Eine System- Behelfsbrücke ließe sich in der Örtlichkeit nur mit einer zweispurigen Verkehrsführung umsetzen. Zudem müssten die vorhandenen Auflager für die Brücke umfangreich, z.T. auch an ihren Gründungen, ertüchtigt werden. Ein Eingriff in den FFH- geschützten Fluss Lesum wäre erforderlich. Die Brücke wäre zudem ggf. nur mit eingeschränkter Geschwindigkeit befahrbar und würde regelmäßige Erhaltungsarbeiten, teilweise unter Vollsperrung, erforderlich machen. Aufgrund der zu erwartenden Dauer bis zu einem Brückenneubau stellen wir diese Option deshalb zurück.

Variante 3 - Erneuerung Brückenüberbau: Eine weitere Option gibt es durch einen möglichen Ersatz des Brückenüberbaus in den gleichen Abmessungen, welche die vorhandene Brücke aufweist. Hier wäre die Einrichtung einer dreispurigen Verkehrsführung ohne Einschränkungen gegeben. Zudem könnte dieser Brückenüberbau im Falle eines kompletten Brückenneubaus als Behelfsbrücke im Zuge eines Umfahrungsdamms genutzt werden. Sollte eine Ertüchtigung (Variante 1) der vorhandenen Brücke abschließend nicht möglich sein, wird das Amt für Straßen und Verkehr die Umsetzung dieser Lösung verfolgen. Ein Nachteil ergibt sich hier durch eine längere Bauzeit. Diese wird aber durch eine mehrjährige uneingeschränkte Nutzung mehr als aufgewogen.
Nachfolgend gebe ich Ihnen einen zeitlichen Ausblick für die Umsetzung der Varianten im Einzelnen. Die Planung für die Variante 4 wurde bereits beauftragt.

Variante 4 – Kompletter Neubau der Brücke
Bereits aufgrund der ersten Einschätzungen zur Tragfähigkeit der Lesumbrücke im Dezember 2018 wird angenommen, dass die Brücke künftig nicht mehr den Anforderungen an eine Autobahnbrücke des Bundes entsprechen wird. Aus diesem Grund wurde bereits mit der Planung eines Brückenneubaus begonnen. Angenommen wird, dass eine Planungs- und Bauzeit von ca. 10 Jahren (Stand12/2018) benötigt wird, bis ein Brückenneubau in Betrieb gehen kann. Als ursächlich dafür zeichnet aufgrund erster Annahmen insbesondere das Umfangreiche Planungs- und Genehmigungsverfahren, in dem insbesondere die naturschutzrechtlichen Belange eine Rolle spielen werden.

Im Zuge der Erneuerung von Brücken kommt immer wieder das Thema der Verkehrsstrom-Aufrechterhaltung während Baumaßnahmen zum Tragen. So werden oft in der Bauzeit Systembrücken (auch Hilfsbrücke oder Behelfsbrücke genannt) eingesetzt, die das Weiterfließen des Verkehrs ermöglichen. Systembrücken sind universell einsetzbare Stahlbrücken nach dem Baukastenprinzip. Sie sind mehrfach wieder einsetzbare, leichte Konstruktionen und können im Gegensatz zu „festen Bauwerken“ schnell und relativ einfach montiert und wieder abgebaut werden. Sie können für Baumaßnahmen des Bundes (Autobahn, Bundesstraßen) zur Verfügung gestellt, können aber auch auf dem freien Markt gemietet und bestellt werden. Dank ihrer konstruktiven Flexibilität lassen sich diese Brücken relativ schnell an die jeweiligen Gelände- und Verkehrssituationen anpassen.
Die Nachteile dieser Konstruktionen dürfen aber nicht unerwähnt bleiben: Diese relativ leichten Stahlbaukonstruktionen sind Wartungsanfällig und nicht für einen längerfristigen Einsatz unter hohen Verkehrslasten gedacht. Im vorliegenden Fall ließen sich mit einer solchen Konstruktion zudem nur 2 von 3 Fahrspuren realisieren. Auch die Befahrung mit eingeschränkter Geschwindigkeit ist im vorliegenden Fall sehr wahrscheinlich.

Erläuterung des Verfahrens

Die objektspezifische Schadensanalyse ist ein Verfahren zur Erfassung, Auswertung und Bewertung von Schäden, die zusätzliche Untersuchungen erfordern. Das Verfahren wird angewendet, wenn z.B. bei Schäden deren Ursache oder das Ausmaß nicht bekannt ist und mit den Methoden der regelmäßigen Bauwerksprüfungen nicht ausreichend erfassbar ist. Die Notwendigkeit einer solchen Ursache hat nicht unbedingt etwas mit der Höhe einer Schadensbewertung oder der Zustandsnote zu tun. Das Ergebnis der Untersuchungen ist stets ein Gutachten eines Sachverständigen. Form und Umfang des Gutachtens sind bundesweit einheitlich festgelegt. Folgende Prüfungen wurden u.a. an der Lesumbrücke durchgeführt:

  • Chemische Analyse Mit Hilfe von Spektrometern (mobil und stationär) konnte die chemische Zusammensetzung des Stahls bestimmt werden.
  • Ultraschallprüfung Die Ultraschallprüfung wurde besonders zum Nachweis von flächigen Fehlstellen, z.B. Rissen und Bindefehlern in Schweißverbindungen angewandt.
  • Sichtprüfung Die Sichtprüfung mit Endoskopen und Videoskopen war besonders zum Nachweis von Oberflächenfehlern geeignet, die sich an schwer erreichbaren Stellen im Inneren von Bauteilen befinden.
  • Magnetpulverprüfung Die Magnetpulverprüfung wurde als effektives Prüfverfahren zum Nachweis von Rissen in ferromagnetischen Werkstoffen angewandt.
  • Materialprobenentnahme Die entnommenen Materialproben wurden u.a. für die Härteprüfung und die Bestimmung der Zugfestigkeit verwendet.