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Informationen zur Sperrung der Lesumbrücke im Zuge der A 27 in Bremen - mit Sachstand und Ausblick vom 7. November 2019

Der schlechte Zustand vieler Brücken in Deutschland ist seit Jahren ein vieldiskutiertes Thema in Politik, Medien und Fachwelt. Auch Bremen ist davon betroffen. Schon existierende oder drohende Einschränkungen bei der Nutzung von Brücken können weitreichende Auswirkungen haben. Um die Dauerhaftigkeit und die Sicherheit von Brückenbauwerken zu gewährleisten, werden Brücken in Deutschland seit einigen Jahren systematisch statisch nachgerechnet. Aufgrund der Vielzahl der nachzurechnenden Brücken stehen dabei zunächst die Hauptverkehrsstrecken im Fokus. Nicht selten erfordern die Ergebnisse Einschränkungen für die Nutzbarkeit der Brücken oder bauliche Maßnahmen bis hin zum Neubau. Im Dezember 2018 hatten erste Erkenntnisse im Zuge der Nachrechnung für die Lesumbrücke erhebliche Defizite bei der Tragfähigkeit der Brücke ergeben. Infolge dessen musste ein Teil der Brücke für den Verkehr gesperrt werden. Ursächlich ist eine altersbedingte Materialschädigung der tragenden Stahlbauteile der Brücke, die von außen nicht sichtbar ist.

Die aktuellen Einschränkungen umfassen die Sperrung der Brücke in Fahrtrichtung Verden/Hannover. Der Verkehr musste auf die Fahrbahn in Fahrtrichtung Bremerhaven/Cuxhaven umgelegt und geschwindigkeitsreduziert werden. Dort stehen jetzt jeweils zwei Fahrspuren je Richtung zur Verfügung.

Eigentümer der Brücke ist die Bundesrepublik Deutschland. Im Rahmen der im Grundgesetz geregelten Zuständigkeiten betreut das Amt für Straßen und Verkehr in Bremen im Rahmen der Auftragsverwaltung die Brücke für den Bund und ist in dieser Funktion zuständig für Planung, Bau, Erhaltung und Betrieb. Diese Zuständigkeiten umfassen auch die notwendigen Untersuchungen an dem Bauwerk sowie die weiteren notwendigen Maßnahmen auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse.

Auf Grundlage der ersten Einschätzungen der noch vorhandenen Tragfähigkeit der tragenden Stahlbauteile wurde die Brücke aus Sicherheitsgründen für den Verkehr gesperrt. Direkt im Anschluss wurde ein umfangreicher Auftrag für eine vertiefende Untersuchung und Auswertung der tragenden Stahlbauteile der Brücke vergeben (Objektbezogene Schadensanalyse (OSA), siehe nachfolgend „Die Objektspezifische Schadensanalyse (OSA)“). Diese Ergebnisse und deren Auswertung bilden aktuell die elementare Grundlage für die notwendigen Entscheidungen zum weiteren Vorgehen. Prioritäres Ziel ist es, in kürzester Zeit wieder Fahrspuren auf der gesperrten Brücke für den Verkehr zur Verfügung stellen zu können.

Unabhängig davon wurde angenommen, dass die Tragfähigkeit der Brücke aufgrund des Alters und den damit bauart- und bauzeitbedingten Defiziten nicht mehr den Anforderungen an eine zukunftsfähige Autobahnbrücke des Bundes entsprechen wird. Aus diesem Grund wurde bereits mit der Planung eines Brückenneubaus begonnen. Da die Planung und der Bau einer neuen Brücke auch aufgrund naturschutz- und wasserrechtlicher Belange sehr zeitintensiv ist, wurden mehrere Varianten geprüft, mit denen eine schnellere Lösung für die Zurverfügungstellung zusätzlicher Fahrspuren bis zum Brückenneubau erreicht werden kann.

Erläuterung des Verfahrens

Die objektspezifische Schadensanalyse ist ein Verfahren zur Erfassung, Auswertung und Bewertung von Schäden, die zusätzliche Untersuchungen erfordern. Das Verfahren wird angewendet, wenn z.B. bei Schäden deren Ursache oder das Ausmaß nicht bekannt ist und mit den Methoden der regelmäßigen Bauwerksprüfungen nicht ausreichend erfassbar ist. Die Notwendigkeit einer solchen Ursache hat nicht unbedingt etwas mit der Höhe einer Schadensbewertung oder der Zustandsnote zu tun. Das Ergebnis der Untersuchungen ist stets ein Gutachten eines Sachverständigen. Form und Umfang des Gutachtens sind bundesweit einheitlich festgelegt. Folgende Prüfungen wurden u.a. an der Lesumbrücke durchgeführt:

  • Chemische Analyse Mit Hilfe von Spektrometern (mobil und stationär) konnte die chemische Zusammensetzung des Stahls bestimmt werden.
  • Ultraschallprüfung Die Ultraschallprüfung wurde besonders zum Nachweis von flächigen Fehlstellen, z.B. Rissen und Bindefehlern in Schweißverbindungen angewandt.
  • Sichtprüfung Die Sichtprüfung mit Endoskopen und Videoskopen war besonders zum Nachweis von Oberflächenfehlern geeignet, die sich an schwer erreichbaren Stellen im Inneren von Bauteilen befinden.
  • Magnetpulverprüfung Die Magnetpulverprüfung wurde als effektives Prüfverfahren zum Nachweis von Rissen in ferromagnetischen Werkstoffen angewandt.
  • Materialprobenentnahme Die entnommenen Materialproben wurden u.a. für die Härteprüfung und die Bestimmung der Zugfestigkeit verwendet.

Die im Dezember 2018 in Betracht kommenden Optionen wurden in der Kurzfristigkeit so eingeschätzt, dass die vorhandene Brücke für eine Restnutzungsdauer statisch ertüchtigt oder bei einem günstigen Prüfergebnis die Brücke, zumindest in Teilen, für den Verkehr wieder freigegeben werden kann. Zumindest letzteres musste nach vertiefter Prüfung leider ausgeschlossen werden. Nach umfangreichen Untersuchungen am Bauwerk und den entnommenen Stahlproben kamen Gutachter zunächst zu dem Ergebnis, dass die Brücke nicht mehr unter Verkehr gehen darf. Auch eine statische Ertüchtigung des Bauwerks wurde von den Gutachtern nahezu ausgeschlossen. Insbesondere diese Einschätzung aber teilte das Amt für Straßen und Verkehr nicht in Gänze. Da die Ertüchtigung eines Bauwerks in aller Regel die schnellste und wirtschaftlichste Lösung für eine weitere uneingeschränkte Nutzung darstellt, wurde an dieser Lösung festhalten. Mit einer weiteren Gutachtlichen Stellungnahme konnte diese Einschätzung im November 2019 bestätigt werden.

Im Ergebnis bestätigt die Stellungnahme des Gutachters die Annahme des ASV, wonach der Brückenüberbau statisch ertüchtigt werden kann und diese Variante auch hinsichtlich der zeitlichen Abfolge die am schnellsten umsetzbare Lösung darstellt. Auf der Grundlage zusätzlicher Stahluntersuchungen zeigt die Stellungnahme in den wesentlichen Punkten Möglichkeiten der konstruktiven Bauwerksverstärkung auf. Eine wirtschaftliche Ertüchtigung des Bauwerks ist dadurch gegeben. Der im Juli 2019 gegebene zeitliche Ausblick, wonach der uneingeschränkte Verkehrswert (dreispurig) im vierten Quartal 2020 hergestellt werden kann, bleibt damit bestehen.

Unter Ertüchtigung verstehen die Fachleute die bauliche Verstärkung des Bauwerks an seinen tragenden Bauteilen. Im Falle der Lesumbrücke, bei der die tragende Konstruktion aus Stahl besteht, wird zusätzlicher Stahl in die tragende Konstruktion eingebaut. Dies geschieht im Wesentlichen an den Stellen, an denen rechnerisch die zulässigen Belastungen überschritten werden. Zudem wird das ASV die Teilsperrung auch nutzen, um weitere notwendige Arbeiten an der Brücke durchzuführen. So wird auch der Fahrbahnbelag aus Asphalt erneuert, um eine weitere Sperrung nach der Ertüchtigung zu vermeiden.

Auf diesem Bild ist der zeitliche Ausblick für den Brückenneubau dargestellt, png, 9.3 KB
Zeitlicher Ausblick

Bereits aufgrund der ersten Einschätzungen zur Tragfähigkeit der Lesumbrücke im Dezember 2018 wird angenommen, dass die Brücke künftig nicht mehr den Anforderungen an eine Autobahnbrücke des Bundes entsprechen wird. Aus diesem Grund wurde bereits mit der Planung eines Brückenneubaus begonnen. Angenommen wird, dass eine Planungs- und Bauzeit von ca. 10 Jahren (Stand 12/2018) benötigt wird, bis ein Brückenneubau in Betrieb gehen kann. Als ursächlich dafür zeichnet aufgrund erster Annahmen insbesondere das Umfangreiche Planungs- und Genehmigungsverfahren, in dem insbesondere die naturschutzrechtlichen Belange eine Rolle spielen werden.